Unsere Kirchengemeinde:Kirchenbau 1812/13
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Löhlbacher Kirchbau von 1812/13
Die Kanzelchronik:
Die Kanzelchronik wurde 1969 beim letzmaligem Umbau unserer Kirche im Handlauf der Kanzel
durch Zufall gefunden. Sie heißt deshalb seither "Kanzelchronik". Die Kanzelchronik ist eine interessante Überlieferung aus der Zeit des Löhlbacher Kirchenbaues von 1812/13.
Hier ist der Inhalt wiedergegeben.
Einsatz und Wagemut einer Gemeinde mitten in schwerer Kriegszeit – Pfarrer Faust
Nur wenige Gemeinden dürften das gewagt haben, was die Löhlbacher wagten. Die Franzosen standen noch im Lande, da brachen sie ihre Kirche ab und erbauten sich von Grund auf ein neues Gotteshaus. Binnen Jahresfrist war das Werk vollendet. Die Leitung hatte Pfarrer Johann Wilhelm Faust, der 1765 in Löhlbach geboren wurde und 1836 als Pfarrer zu Röddenau starb.Sein Vater Johann Friedrich Faust wurde 1733 in Geismar geboren und starb 1802 als Pfarrer zu Löhlbach. Dessen Vater Johann Daniel Faust wurde 1694 in Geismar geboren und starb 1747 als Pfarrer seiner Heimatgemeinde. Dessen Vater war der Geismarsche Landwirt, Gerichtsschöffe und Kirchenälteste Andreas Faust. Offenbar hatte der Urenkel Johann Wilhelm von seinen Vorfahren einen praktischen Sinne ererbt, sonst wäre es wohl kaum möglich gewesen, nahezug die gesamte Gemeinde für die Arbeiten am Kirchbau zu gewinnen. Auch schrieb Pfarrer Faust eine Chronik, die wertvollen Nachrichten über die Einwohner, ihre Berufe und ihr Vieh, über die Kriegszüge jener Zeit und die Zustände am Vorabend der Freiheitskriege enthält. Er verbarg sie im Handlauf der Kanzeltreppe. Dort wurde das Dokument 1969, als die Löhlbacher Kirche im Inneren neugestaltet wurde, gefunden. Sie folgt hier mit geringen Anpassungen des Textes an unser heutiges Deutsch.
Wer diese Nachricht einst findet, der teile sie dem zeitigen Pfarrer der Gemeinde mit. Löhlbach, den 30 Oktober 1883, Faust.
Im Jahre 1812 fing die hiesige Gemeinde Löhlbach den neuen Kirchenbau an. Jeder arbeitete mit Lust und Freude, wir brachten es deshalb auch in kurzer Zeit so weit, dass dieser Bau im Jahr 1813 des Herbstes ganz vollendet war. Die Kirche ist von Grund auf neu gebaut. Das alte Mauerwerk war ganz unbrauchbar. Ebenso ist inwendig alles neu gemacht.
Handwerker und Bauleitung
Der Zimmermeister Johann Daniel Bickhardt, Einwohner, bekam 66 Reichstaler.Der Maurer Anton Schüler, Einwohner allhier, bekam 300 Reichstaler.Der Schreiner war Johannes Wien zu Haina. Er bekam für die Fenster 34, für die andere Schreinerarbeit 118, für die Kanzel und andere Kleinigkeiten 24 Reichstaler. Die Kanzel wurde im Pfarrhaus gemacht. Es haben an ihr sowie bei der anderen Schreinerarbeit geholfen der hiesige Einwohner Philipp Wien, ein Bruder des ersten, und Jakob Röse von Römershausen. Der Baumeister, der uns diese Kirche bezeichnet hat, ist der Districts-Baumeister Arend zu Marburg. Zu dieser Zeit war hier, zu Battenhausen und Dodenhausen Pfarrer Johann Wilhelm Faust, geboren allhier 1765 den 6.September. Er hat in Hersfeld, Marburg und Rinteln studiert,
war 1789 Assistent bei der seinem Vater, dem Pfarrer Johann Friedrich Faust allhier, und 1802 nach
dessen Tode Pfarrer des hiesigen Kirchspiels. Er hat noch drei Brüder. Der erste nach ihm ist
Förster zu Reinsen im Schaumburgischen, der zweite Conrad Daniel Pfarrer zu Treisbach bei Wetter,
der dritte George Heinrich Pfarrer zu Grüsen. Dieser war aber im Frühjahr, in seinem 37. Jahre, an Schwindsucht gestorben. Dessen Stelle war noch unbesetzt.Der Schulmeister war Johannes Immel von Haina. Der reformierte Schule wurde in diesem Jahr mit der lutherischen vereinigt. Der lutherische Lehrer sollte von nun an die Geschäfte des reformierten mit versehen und auch dessen Besoldung erhalten. Das Haus wurde zum Besten der Gemeinde verkauft, die das Geld zum neuen Kirchenbau verwendete.Der hiesige Maire (französisch, soviel wie Bürgermeister) war Johann Just Hesse. Er war sehr tätig bei dem neuen Kirchenbau.
Einwohnerzahl und Viehhaltung 1806
Im Jahre 1806 stellte ich, der Pfarrer, eine Seelenliste von dem hiesigen Kirchspiel auf und es befanden sich in
Löhlbach: 96 Männer, 7 Witwer, 181 Söhne, 96 Weiber, 34 Witwen, 158 Töchter, 35 Pferden, 2 Fohlen,
54 Ochsen, 122 Kühe, 58 Jungrindvieh, 487 Schafe, 130 Schweine
Altenhaina: 11 Männer, 18 Söhne, 11 Weiber, 2 Witwen, 18 Töchter, 18 Pferden, 5 Fohlen, 2 Ochsen,
21 Kühe, 24 Jungrindvieh, 204 Schafe, 28 Schweine.
Kirschgarten: 5 Männer, 2 Witwer, 10 Söhne, 5 Weiber, 10 Töchter, 10 Pferde, 1 Fohlen, 11 Kühe, 7 Jungvieh, 106 Schafe, 11 Schweine
Battenhausen: 34 Männer, 1 Witwer, 69 Söhne, 34 Weiber, 8 Witwen, 46 Töchter, 13 Pferde, 2 Fohlen,
16 Ochsen, 54 Kühe, 24 Jungrindvieh, 194 Schafe, 61 Schweine.
Hüttenrode: 9 Männer, 18 Söhne, 9 Weiber, 2 Witwen, 11 Töchter, 14 Pferde, 1 Fohlen 2 Ochsen, 14 Kühe, 7 Jungrindvieh, 74 Schafe, 11 Schweine.
Fischbach: 5 Männer, 1 Witwer, 7 Söhne, 5 Weiber, 5 Töchter, 3 Pferde, 1 Fohlen, 2 Ochsen, 9 Kühe,
3 Jungrindvieh, 10 Schafe, 12 Schweine.
Dodenhausen: 72 Männer, 7 Witwer, 116 Söhne, 72 Weiber, 29 Witwen, 114 Töchter, 37 Pferde,
11 Fohlen, 37 Ochsen, 96 Kühe, 42 Jungrindvieh, 294 Schafe, 78 Schweine.
Haddenberg: 6 Männer, 1 Witwer, 17 Söhne, 6 Weiber, 2 Witwen 15 Töchter, 12 Pferde, 5 Fohlen,
4 Ochsen, 13 Kühe, 19 Jungrindvieh, 148 Schafe, 19 Schweine.
Der Feldzug von 1812
In den Kriegen mit Frankreich, die nun zwanzig Jahre gedauert haben, und worinnen Deutschland so
viel gelitten hat, und gerade jetzt am meisten leidet, da so große Heere in Sachsen stehen und kämpfen ist unser Ort verschont geblieben: Wir haben bis jetzt weder Freund noch Feind gesehen.
Im Jahre 1812 waren aber 14 junge Burschen mit als Soldaten nach Rußland geschickt worden. Nur
zwei sind wieder zurückgekommen, die übrigen sind tot oder in Gefangenschaft.
"Stets zu Empörungen geneigt"
Im Jahre 1807 wurde das Königreich Westfalen von Kaiser Napoleon gestiftet. Wir sowie ganz Hessen machten einen Teil davon aus. Unser König war Hieronimus Napoleon, Bruder des Kaisers aus Jaziko
in Korsika, vorher ein Kaufmann. Mit seiner Regierung wurden französische Gesetze, Einrichtungen
und viele neue Abgaben eingeführt. Das Land wurde durch viele Abgaben hart gedrückt. Aber auch die ganze französische Regierung war aufs ärgste verhaßt, besonders bei den Hessen. Die alte Liebe zu ihrem vorigen Kurfürsten, unter dem sie so glücklich gewesen waren, dauerte fort. Sie waren stets
zu Empörungen geneigt.
Die Russen nähern sich
In diesem Jahr 1813 hatten Rußland, Preußen und Österreich sich zusammen verbunden. Sie waren glücklich gegen die französischen Heere in Sachsen. Die Nachweit wird über die Schlachten staunen, die da gehalten worden sind, und über die Menge Menschen, welche aufgeopfert wurden. Ein
Kosakencorps kam im Oktober nach Kassel, zerstreute die Westphelinger, und der König flüchtete
nach Frankreich. Sogleich, wie es nur hieß die Russen sind in Kassel, gab es an vielen Orten große Unruhen. In Gemünden wurden dem Kantons-Maire die Fenster eingeschlagen, er selbst indessen flüchtete. Alle herrschaftlichen Bediensteten, die die Aufsicht über die Polizei und die Abgaben hatten, waren in Gefahr, aufs ärgste mißhandelt zu werden. Die Einwohner glaubten, der Kurfürst
sei nun wieder in sein Land eingesetzt. Als aber das Kosakencorps sich wieder zur Armee zurückzog, kam der König mit etlichen tausend Franzosen wieder zurück. Doch seine Regierung dauerte nicht
länger als bis zum 26. Oktober: da verabschiedete er alle westfälischen Soldaten, nahm Abschied
von Kassel und wieder Besitz von seinem Land nehmen, welches bei und so haben wir jetzt keinen Landesregenten. Jeder glaubte, der alte Kurfürst würde bald kommen und wieder Besitz von seinem Landen nehmen, welches bei allen Einwohnern eine unbeschreibliche Freude sein würde, dass sie
einmal das französische Joch los wären.
"Kein einziger Söffer"
Ganz Deutschland war vorher in einem sehr blühenden Zustande, besonders Hessen. Der Ackerbau war
sehr stark getrieben, auch Künste und Handwerk allerort. Auch unsere Gegend hatte sehr zugenommen, wenn sie es gleich wegen ihrer unfruchtbaren Zeit so weit nicht bringen kann, als andere fruchtbare Gegenden. Unser Religionsstand ist gegen die vorigen Zeiten nicht schlechter geworden. Es findet
sich mehr Sittlichkeit und Bescheidenheit unter dem gemeinen Mann als ehedem. In meinem ganzen Kirchspiel ist kein einziger Söffer. Die Schulen und Kirchen werden fleißig besucht. Jungen und Mädchen lernen schreiben. Auf den Gesang wird viel gehalten. Die Gemeinde singt nicht nur alle Choral-Melodien, sondern auch Arien-Melodien in Stimmen. Und wenn wir in Ruhe und Frieden bleiben,
so hoffen wir es nach etlichen Jahren noch weiter zu bringen.
Diese alle halfen beim Kirchbau
Namen der Einwohner, so diese neue Kirche gebaut haben: Simon Wilhelmi und dessen Schwiegersohn Henrich Losecamp, Ackermann; Matthias Möller, Ackermann; Conrad Ritter, Ackermann und dessen Sohn Johannes Peter Hecker, Ackermann; Joh. Adam Schween, Unterförster; Joh. Just Röse, Maurer, und
dessen Schwiegersohn Henrich Rennemann, Schuhmacher; Georg Vaupel und dessen Sohn Johannes, Ackermann; Daniel Paar und dessen Sohn Johannes, Ackermann; Johannes Wickert, Ackermann;
Ludwig Nobis und dessen Sohn Tobias, Unterförster; Stephan Hesse und dessen Sohn Christoph, Ackermann, Conrad Daume, Ackermann; Eckhardt Ritter, Bergmann, und Benedict Wambach, Schied;
Johannes Landau und dessen Schwiegersohn Adam Leininger, Ackermann; Johannes Möller, Ackermann; Adam Möller und dessen Sohn Johannes Just Möller, Schmied; Barthold Debus, Schneider; Johannes Just Krolls Witwe; Joh. Just Naumann, Ackermann; Conrad Landau, Ackermann, Jakob Groß, Ackermann........... Jakob Landau, Ackermann; Joh. Just Hesse, Schlosser und Maire; Barthold Ritter, Tagelöhner, Balthasar Röse,Ackermann, und dessen Schwiegersohn George Schneider, Philipp Vaupel, Schneider; Joh. Just Krug, Ackermann; Adam Röder und dessen Sohn Henrich Ackermann; Henrich Vaupel, Schmied; Christoph Ernst, Maurer; Johannes Küster, Tagelöhner; Barthold Faust, Küfer; Christoph Zwick, Schneider; Georg Röse, Maurer; Christoph Faust und Conrad, dessen Sohn, Schäfer; Johannes Beyer, Zimmergeselle; Tobias Schröder, Wirth, und sein Vater Lorenz Schröder, Schreiner; Adam Möller, Leineweber; Daniel Hafer und dessen Schwiegersohn Emanuel Faust, Ackermann; Daniel Möller und Johannes Möller, dessen Sohn, Ackermann; Joh. Just Möllers, Schmieds Witwe; Henrich Hesse, Tagelöhner; Conrad Adler, Tagelöhner; Eckhardt Zwick, Tagelöhner; Adam Geitz, Tagelöhner; Caspar Beyer, Bergmann; Johannes Beyer, Tagelöhner; Philipp Wien, Schreiner; Werner Groß und dessen Sohn Johannes, Ackermann; Daniel Fels und dessen Schwiegervater Johannes Meyer, Tagelöhner; Johannes Fels, Unterförster; Christoph Scher, Wasenmeister; David Baumann; Bergmann; Daniel Bickhardt, Zimmermeister; Balthasar Schmitt, Ackermann; Henrich Bilsing, Müller; Adam Maurer,Tagelöhner; Joh. Just Rennemann Witwe; Adam Leiß, Ackermann; Johannes Schween, Ackermann; Johannes Hesse, Ackermann; Peter Höhls Witwe; Johannes Heßler, ?; Johannes Zier, Tagelöhner; und Henrich Reinhard, Metzger; Joh. Just Möbus Witwe; Johannes Ernst, Maurer; Henrich Happel und Andreas Möller, Ackermann; Anton Schüler, Maurer und Andreas Dippel, Metzger; Johannes Adler, Tagelöhner; Andreas Quendel, Ackermann.
Neue Anbauer
Löhlbach
Daniel Landau, Zimmergeselle; Christian Ernst, .... nes Faust, Schäfer; Henrich Schüler, Maurer; Henrich Wilhelmi, Zimmergeselle; Conrad Schüler, Maurer; Daniel Nobis, Schmied; Simon Scherer, Bergmann; Adam Möller, Tagelöhner.
Beisitzer
Melchior Barth, Küfer; Joh. Just Krug, Tagelöhner; Johannes Dippel, invalide; Conrad Ernst, Maurer; Conrad Ernst jr., Maurer; Caspar Sohn, Schäfer; Franz Kostran (Koffran?), Unterförster; Joh. Adam Stahl, Hospitals-Oberförster; Wilhelm Friedrich Finger, Herrschaftlicher Förster.
Altenhaina
Peter Bornschier und dessen Sohn Conrad, Ackermann; Johannes Ochse, Ackermann, Conrad Bornschier
und dessen Sohn Daniel, Ackermann; Peter Prächter und dessen Schwiegersohn Adam Hecker, Ackermann; Balthasar Happel, Ackermann; Christoph Röse und dessen Sohn Johannes, Ackermann; Joh. Just Fackiener und dessen Schwiegersohn Conrad Bornschier, Ackermann.
Kirschgarten
Conrad Hesse, und dessen Schwiegersohn Conrad Jäger, Ackermann; Joh. Just Kahl, Ackermann; und sein Schwiegervater Kakob Beck. Der Pfarrer des Kirchspiels war Johann Wilhelmi Faust, seine Ehefrau war Maria Sophie Amalie Antonette geborene Eigenbrodt von der Lauterbach in der Herrschaft Itter. Zacharias Vaupel war Schweinehirt und Johannes Dippel Kuhhirte zu Löhlbach.
Die Kirche wurde 1812/13 als einfacher Saalbau im Biedermeierstil erbaut. Der Fußboden bestand aus sauber verlegten unregelmäßigen Sandsteinplatten. Die Kirche war mit 350 Sitzplätzen großzügig erbaut. Die um 1730 erworbene einfache Schlagorgel war nicht mehr brauchbar.Eine neue Orgel wurde erst 1848 von der Gemeinde beschafft. Diese neue Orgel wurde auf einer Empore über den heutigen Altarraum nach Osten hin aufgebaut.
Ab etwa 1840 fil Löhlbacher Männern auf, daß sich die Decke über dem Hauptschiff verdächtig nach unten wölbte.1846 stellten dann Löhlbacher Baufachleute fest daß sich die Trägerbalken bis zu 10 Zentimeter durchgebogen hatten. Außerdem wurde festgestellt daß die Dachziegel sehr schadhaft waren. Alle schadhaften Ziegel wurden durch neue ersetzt. Die Trägerbalken wurden durch darübergelegte Balken wieder in die Waagerechte gebracht.
Der Umbau von 1911
Im Jahre 1911 wurde unsere Kirche zum ersten male Renoviert.
1911 ließ die Gemeinde durch den damaligen Pfarrer Koch die Orgel von der Ostseite zur Westseite,
der Turmseite umbauen. Vor der Orgel wurde eine Empore zur Aufstellung von Chören errichtet. Die Ostseite wurde neu gestaltet. Vom Eingang her (Turmseite) fiel der Blick über die Bänke des Mittelschiffes zu der halbrunden Apsis, der Altarnische. Ein ovales Fenster signaliesierte die aufgehende Sonne.Die Kanzel und die Skristei wurde an die Seite gerückt.Die männlichen Kirchenbesucher hatten in der Regel ihren Platz oben auf der Emporen. Frauen und Mädchen saßen
unten.
Neue Glocken für unsere Kirche 1956
Wissenswertes über unsere alten und neuen Glocken
Allen alten Löhlbachern ist das frühere, wenig klangvolle Dreiergeläute noch sehr vertraut. Es bestand aus der Mittagsglocke,der Schulglocke und der Schülerglocke.
Die Schulglocke wurde bis 1900, so lange der Unterricht noch in der alten Schule neben der Kirche erfolgte, jeden Morgen und jeden Nachmittag (außer Mittwoch und Samstag) als Zeichen zum Schulbeginn von ein paar Jungen geläutet. Die Mittagsglocke erklang morgens, mittags und abends, und das Schülerglöckchen gibt bis heute noch – eine halbe Stunde vorher – das Zeichen zum Beginn jedes Gottesdienstes. Es ist das „Vater-unser-Glöckchen“ und wird geläutet, wenn die Schüler bei einer Beerdigung vom Pfarrhaus abmarschieren.
Die Mittagsglocke, die größte der drei, hatte einen Durchmesser von 73 cm, wog 177,5 kg und war auf den Ton 2 gestimmt.
Am Mantel stand:
FRIEDRICH FAUST, PREDIGER Joh. Schelberg, Grebe
Pfarrer und Bürgermeister von Löhlbach, die wohl bei der Beschaffung zusammenwirkten, hatten ihre Namen hier festhalten lassen.
Es handelt sich um jenen Pfarrer Faust, der um 1780 unser Pfarrhaus und auch die Kirche in Battenhausen bauen ließ.
Außerdem stand auf der Glocke:
NACH LÖHLBACH GEHÖR ICH –CHR. PETER ZU HOMBERG GOß MICH 1786.
Vermutlich wurden beim Guß dieser Glocke Holzkohlen aus unserer Wäldern verwendet. Bis um 1880 haben bekanntlich unsere Bauern Holzkohle, die in unseren Wäldern hergestellt war, mit ihren hoch-
beladenen „Kohlreisen“ (Wagen mit dichten, hohen Leitern), mit Pferden und Ochsen bespannt, nach Holzhausen bei Homberg gefahren. In der Holzhäuser Eigengießerei war Christian Peter als Formermeister tätig.
In Homberg betrieb er eine eigene Glockengießerei. Es ist anzunehmen, dass auch er seine Holzkohle aus der gleichen Quelle bezog wie Holzhausen, nämlich von Löhlbach. Die obige Inschrift an der
Glocke sollte 135 Jahre später von entscheidender Bedeutung werden. 1917 holte man sie zusammen mit der Schülerglocke weg zur Waffenherstellung. Sie gerieten aber nicht mehr in den Schmelzofen und wären in den Wirren der Nachkriegszeit gewiß verkommen, wenn nicht auf der einen der Heimatort gestanden hätte. So kamen beide wieder her, und wir hatten noch gut zwei Jahrzehnte das alte Geläute. Am 29.01.1942 wurde die Mittagsglocke erneut weggeholt. Zimmermann Heinrich Paar wurde mit der nicht leichten Aufgabe betraut, die fast 4 Ztr. schwere Glocke vom Turm zu schaffen. Diesmal mussten wir endgültig Abschied von ihr nehmen.
Die Schulglocke hat folgende Inschrift:ANNO DOMINI MCCCCLXXII
d.h. im Jahre des Herrn 1472. Sie wurde also 11 Jahre vor Luthers Geburt gegossen, als man noch
nicht ahnte, dass sich die christliche Kirche einmal in ein katholisches und evangelisches
Bekenntnis aufspalten würde. Die Glocke trägt fünf Engelsköpfe und hat den Ton ais. Auch die
kleinste Glocke, die Schülerglocke, ist so alt.
Auf ihr steht
AVE MARIA GRACIA,
Oktober 1956 von der Firma Gebrüder Rincker in Sinn im Dillkreis gegossen. Etwa 20 Löhlbacher hatten Gelegenheit, dem Guß beizuwohnen. Der Preis beläuft sich auf annähernd 5.000,-- DM. Darin sind die Kosten für den neuen freistehenden eisernen Glockenstuhl und die Montage eingeschlossen. Die Glocken bilden einen Dreiklang: Cis, eis, gis, also dem ersten, dritten und fünften Ton derTonleiter, und unsere Schulglocke setzt sich mit dem ais als dem sechsten Ton darüber.Die Schülerglocke hängt auch mit im Glockenstuhl und kann hoffentlich mit ihrem hohen e oder f hinzugeläutet werden. Mit diesem neuen Geläut soll den Opfern der beiden Weltkriege 1914/18 und 1939/45 ein klingendes Denkmal
gesetzt werden. Deshalb bekamen die beiden großen Glocken folgende Inschrift:
cis-Glocke:
Oberes Schriftband: UNSEREN TOTEN UND VERMISSTEN DES WELTKRIEGES 1939 – 1945
Mantel Vorderseite: LIEBE
Rückseite unten: LÖHLBACH 1956
Unteres Schriftband: GOTT ZUR EHRE + DEN KRIEGSOPFERN ZUM GEDÄCHT+ DEN LEBENDEN ZUR MAHNUNG +
eis (f)- Glocke:
Oberes Schriftband: UNSEREN TOTEN UND VERMISSTEN DES WELTKRIEBES 1914 – 1918
Mantel Vorderseite: GLAUBE
Rückseite unten: LÖHLBACH 1956
Unteres Schriftband: GOTT ZUR EHRE + DEN KRIEGSOPFERN ZUM GEDÄCHTNIS+ DEN LEBENDEN ZUR MAHNUNG +
Die Inschrift auf der dritten neuen Glocke, der gis-Glocke, lautet:
Oberes Schriftband: O LAND. LAND. LAND. HÖRE DES HERRN WORT +
Mantel Vorderseite. HOFFNUNG
Rückseite unten: LÖHLBACH 1956
Die Tonfolge von unserem neuen Vierergeläute ist die gleiche wie bei den jetzigen Hainaer Glocken. Sie liegt nur höher, weil wir nicht so große, tiefklingende Glocken in unserem kleinen Turm
aufhängen können. Man kann sie sich merken an dem Anfang des Liedes: „Wachet auf, ruft uns die
Stimme .......“
I. Totenglocke 1939/45 "L I E B E"
Gußjahr: 1956 / Durchmesser : 73 cm / Gewicht: 210 kg.
II. Totenglocke 1914/18 "G L A U B E"
Gußjahr: 1956 / Durchmesser : 59 cm / Gewicht: 120 kg.
III. Glocke "H O F F N U N G"
Gußjahr: 1956 / Durchmesser: 52 cm / Gewicht: 90 kg.
IV. alte Schulglocke
Gussjahr: 1472 / Durchmesser: 50 cm / Gewicht: 100 kg.
V. alte Schülerglocke Gußjahr: 1472 / Durchmesser: 37 cm / Gewicht: 38 kg.
aus Glockenchronik von Otto Jacob
Der Umbau von 1969
Im Jahre 1969 wurde unsere Kirche durch eine gänzlich neue Innenraumgestaltung völlig neugestaltet.Die meisten Säulen wurden herausgenommen. Es blieben nur die stehen, die den Orgelraum nebst Podium stützten. Dadurch verschwanden die seitlichen Emporen bis auf eine Sitzreihe. Die
beiden steilen Treppen nach oben, wurden durch eine Wendeltreppe ersetzt.Auch eine neue Heizung
wurde eingebaut. Die Decke wurde mit Holz verkleidet. Der Altar und Kanzelraum wurde um 2 Stufen angehoben.Auch die Orgel wurde saniert. so wurde sie überholt und umgestaltet. Der Blasebalg läuft seitdem elektrisch.



