Wasserleitungsbau 1904

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Bilder von unseren Wasserversorgungsanlagen

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Hochbehälter beim Sportplatz

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Tiefenbohrung an der Wildunger Strasse

Geschichtliches

1883 war in Löhlbach eine große Thypusepidemie aufgetreten. 1892 hatte der Hainaer Arzt Dr. Schmidt beim Landratsamt auf die unhygienischen Verhältnisse im Dorf hingewiesen. 1896 folgte dann der große Brand, welchem viele Häuser zum Opfer fielen. 1900 wurde die neue Schule gebaut, davon hatte die Gemeinde noch 10.000 Mark Schulden- daher lehnte die Bevölkerung den mit 32.000 Mark veranschlagten Wasserleitungsbau im Jahr 1902 ab. BrunnenVerunreinigt: Landrat Riesch beauftragte den Kreisarzt die 42 Löhlbacher Brunnen chemisch untersuchen zu lassen, mit dem Ergebniss: Alle waren verunreinigt. Es entwickelte sich ein regelrechter "Wasserleitungskrieg", bei dem Landrat Riesch zweimal die Wahl eines Bürgermeisters verwarf und einen kommisarischen Bürgermeister einsetzte. In einem Brief an die Gemeinde Löhlbach befahl der königliche Landrat kurzerhand: Die Wasserleitung wird gebaut! Ich bin überzeugt, die Gemeinde wird es noch anerkennen, wenn sie erst die Segnung einer solchen Einrichtung kennengelernt hat! Am 14. August 1904 wurde ein "Wasserfest" gefeiert. Pfarrer Drake gab in seiner Festrede der Hoffnung Ausdruck, daß der nun im Dorf eingekehrte Frieden anhalten möge.

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Der Hochbehälter von 1904 wie er sich heute präsentiert.

Artikel aus der Frankenberger Zeitung vom 6.8.1904

Wie groß der Segen einer Wasserleitung ist, haben unsere Einwohner in der verflossenen letzten Trockenheit empfunden, obwohl es erst vier Wochen her sind, dass der erste Hausanschluss fertiggestellt wurde. Heute herrscht überall Freude über die Wasserleitung, die vorher soviel Zank und Streit hervorgerufen hat. Bis zum Ende der nächsten Woche wird der Bau, der etwa 130 Hausanschlüsse umfasst, fertiggestellt sein. Nur 7 Häuser werden nicht angeschlossen. Mit Rechtkönnen sich die Einwohner Löhlbachs über die wohlgelungene Anlage freuen. Nicht weniger als88cbm lieferten die Quellen in den trockenen Tagen, während der recht reichliche Verbrauch sich auf 40 cbm belief. Mit Sicherheit ist anzunehmen, dass unsere Gemeinde in Zukunft auch , in den trockensten Perioden des Sommers vor Wassermangel bewahrt bleibt. Mögen Bald weitere Gemeinden dem Beispiele Löhlbachs folgen, um den Segen einer Wasserleitung zu genießen. Als großer Fortschritt muss noch erwähnt werden dass von Seiten der Gemeinde keine Opfer gescheut wurden, um die Ortsstraßen in guten Zustand zu setzen. Überall wo notwendig, ist die Kanalisation hergestellt worden. Die Einwohner sind durch Polizeiverordnung angehalten worden, die Dungstätten mit dichten Mauern zu versehen. Soviel man bis jetzt wahrgenommen hat, wollen die Leute durch Entgegenkommen zur Verschönerung der Ortsstraßen und des Ortes beitragen.

Artikel aus der Frankenberger Zeitung vom 18.8.1904

Am vergangenen Sonntag feierte Löhlbach die Vollendung seiner Wasserleitung. Um 7 Uhr früh fand eine Feuerwehrübung statt, bei welcher die Mannschaft mit der neuen Einrichtung bekannt gemacht wurde. Von 10 bis 12 Uhr konzertierte die Kappelle Gunst auf dem Schulhofe. Nach beendigten Gottesdienst stellte sich vor der Schule der Festzug auf. Die Gemeindevertretung, die Schule und unsere drei Vereine mit fliegenden Fahnen zogen in stattlicher Reihe hinauf auf den Kirchberg, wo das Gemeindefest gefeiert werden sollte. In sehr humoristischer Weise stellten die Arbeiter der Wasserleitung die alte und die neue Zeit auf ihrem mit 4 Pferden bespannten Wagen dar. Die Predigt unseres Herren Pfarrer Drake hatte schon auf se Segen des brüderlichen Zusammenhaltens hingewiesen, in demselben Sinne sprach der Festredner, Herr Oberlehrer Finger. Er gab einen zusammenhängenden Rückblick über die Entwicklung unseres Gemeinwesens und Schrieb der starken Heimatliebe unserer Mitbürger die schönen Erfolge zu, die wir in zäher Zusammenarbeit errungen haben.

Die Rede endete wörtlich wie folgt:

„Wir wissen es wohl, was wir dem größeren Verbande, dem wir eingefügt sind, und den wir Vaterland nennen, verdanken. Das haben wir ja auch jetzt wieder beim Bau unserer Wasserleitung gesehen. Und deshalb dürfen wir, es heute sicherlich nicht unterlassen, unseren Dank allen denen auszusprechen, die dieses Kulturwerk unterstützt und gefördert haben. In jahrelangen Bemühungen haben die Männer der Gemeindevertretung gearbeitet, um nötigen Mittel herbeizuschaffen. Sie hatten eine mächtig Stütze an unserem tatkräftigen Landrat, dem Herren Geheimrat Riesch, dessen wir in altererster Linie in Dankbarkeit gedenken müssen. Durch seine Fürsprache gelang es, beteudende Mittel aus Kommunal- und Staatskasse zu erhalten und auch sonstige Schwierigkeiten, die sich dem Bau entgegenstellten, zu überwinden. Dann aber gebührt unser Dank unserem preußischen Staat, der es jederzeit zu ermöglichen gewusst hat, reiche Mittel für Kulturzwecke an die Gemeinden abzugeben. War es doch jederzeit das Bestreben seines erlauchten Herscherhauses, der Hohenzollern, die wirtschaftlich Schwachen zu unterstützen, von den Zeiten jenes strengen Hausvaters Friedrich Wilhelm I. und Wilhelm II. , die eine Arbeitergesetzgebung schufen, wie sie jetzt noch kein anderes Land hat. Und deshalb wollen wir unseren Dank für alle, die an diesem Werke arbeiteten, zusammenfassen in dem Rufe: Kaiser Wilhelm II. , unser allergnädigster Kaiser und Herr er lebe hoch!“Dem begeistert aufgenommenen Kaiserhoch folgte der Gesang der Nationalhymne. Die freudestrahlenden Gesichter zeigte, das der Inhalt der Rede von Herzen kam und zu Herzen ging ,- ist doch das vielumstrittene Werk endlich zur Zufriedenheit aller vollendet. Unsere Kinder fanden reichliche Belustigung bei den nachfolgenden Kinderspielen, welche die Herren Lehrer Jacob und Dilcher vorzüglich zu arrangieren wussten. Nicht nur die Jugend hat sich gut dabei unterhalten, auch die Alten haben recht herzlich dabei gelacht. Der weitere Verlauf der Feier zeigte, dass die Leiter und Arbeiter der Wasserleitung sich allgemeiner Beliebtheit erfreuen. Sicher ist, dass das Fest jedem der Beteiligten eine angenehme Erinnerungsein wird, ist doch schon der Wunsch nach einer regelmäßigen jährlichen Wiederkehr in Gestalt eines Kinderfestes laut geworden. - So hat sich wieder einmal die alte Erfahrung bestätigt, dass Einrichtungen und Unternehmungen, welche der Allgemeinheit dienen, nur unter schweren inneren Kämpfen zu erlangen sind. Lernt erst der Einzelne die damit verbundenen Vorteile und Annehmlichkeiten kennen, schafft sich auch sofort die Erkenntnis Raum, welchen Dank man den Männern schuldig ist, die Ihrer besseren Einsicht durch jahrelanges Mühen und Kämpfe Geltung verschafften.

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